Jahresrückblick 2012

Wenn unter Starkstromleitungen die Neonröhren leuchten ...

Die diesjährige Jahreshauptversammlung der BUND-Kreisgruppe Northeim fand am 17. Februar 2012 im Cafe Klett in Fredelsloh statt. Vorstandsmitglied Jürgen Beisiegel konnte dazu zahlreiche Vereinsmitglieder und Gäste begrüßen.

Nach den Formalitäten war das Hauptthema des Abends die geplante 380 kV Höchstspannungstrasse, die längs durch den Landkreis Northeim führen soll. Dazu hatte der BUND-Vorstand Peter Gosslar und Ralf Messerschmidt vom Verein „Bürger Pro Erdkabel – Harzvorland e.V.“ eingeladen. Beide haben sich sehr genau in dieses Fachthema eingearbeitet und konnten über den aktuellen Planungsstand, Übertragungstechniken, Trassenvarianten, entstehende elektromagnetische Belastungen und Abstandsregelungen kompetent Information vermitteln.

Zwei Punkte haben sich als zentral herauskristallisiert: die Verlegung ober- oder unterirdisch und die Übertragungstechnik. Als Alternative zur strahlenden Wechselstrom-Leitung in der Landschaft schlägt Peter Gosslar die modernste Übertragungstechnik mittels Gleichstrom (HGÜ = Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik) vor. Mit Übertragungsverlusten von nur 3 % (gegenüber 25% Verlusten bei der Wechselstrom-Variante) ist die Technik energieeffizienter, es entsteht kein Elektrosmog, die Trassen könnten schmaler sein und eine Abschirmung mit Beton ist bei der Erdverlegung nicht notwendig, so dass die Landwirtschaft weniger beeinträchtigt wird und die Kosten für die Erdverlegung längst nicht so viel höher gegenüber der Freileitung als zunächst angenommen ausfallen würden. Ganz abgesehen von der Unfallsicherheit beim Erdkabel; Sturm und Bäume können der Leitung nichts anhaben!

Das Wirtschaftsministerium überlegt, der Planungs- und Genehmigungsbehörde „zusätzliche verfahrenslenkende Weisungsrechte gegenüber den Vorhabensträgern einzuräumen“. Im Klartext heißt das: Die vom Volk gewählten Vertreter - hier das Wirtschaftsministerium - haben kein eigenes Vorschlagsrecht für die Trassenführung. Die Regierung macht sich zur Marionette der Konzerne. Deshalb blieb die Untersuchung der Trassenvariante entlang der A7, wo z.Z. sowieso gebaut wird, aus. Ebenso die Möglichkeit entlang der Bahntrassen. Die Chance, EU- Zuschüsse zu erhalten, wurde vertan, obwohl das Gesetz (ENLAG) ein Pilotprojekt ausdrücklich vorsieht. Das Versprechen der Politiker für mehr und rechtzeitige Bürgerbeteiligung bei Großprojekten nach Stuttgart 21 scheint schon wieder vergessen zu sein.

Der Antrag des Vorstandes, als BUND Kreisgruppe dem Verein Bürger Pro Erdkabel-Harzvorland e.V. beizutreten, um Solidarität mit den Forderungen des Vereins zu zeigen, wurde von den Teilnehmern begeistert aufgenommen.

Gekaufte Wahrheit

Der Film" Gekaufte Wahrheit "- Gentechnik im Magnetfeld des Geldes wurde am 2. Mai in der Neuen Schauburg in Northeim gezeigt.
Es ist ein politischer Thriller über Gentechnik und Meinungsfreiheit. Árpád Pusztai und Ignacio Chapela haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind bedeutende Wissenschaftler und ihre Karrieren sind ruiniert. Beide Wissenschaftler arbeiten im Bereich der Gentechnik. Beide machten wichtige Entdeckungen. Beide sind gefährdet, weil sie die Mächtigen in Forschung und Industrie kritisieren, die dadurch ihre Investitionen bedroht sehen.
Aussagen von Wissenschaftlern selbst belegen, dass 95 % der Forscher im Bereich Gentechnik von der Industrie bezahlt werden. Nur 5 % der Forscher sind unabhängig. Die große Gefahr für Meinungsfreiheit und Demokratie ist offensichtlich. Kann die Öffentlichkeit - können wir alle - den Wissenschaftlern noch trauen?

Fließgewässerökologie und Bachrenaturierung im Wald

Im Rahmen ihres monatlichen Veranstaltungsprogramms lud die BUND Kreisgruppe Northeim am 11. Mai 2012 zu einer Exkursion ein. Unter dem Titel „Fließgewässerökologie und Bachrenaturierung im Wald“ ging es an einen Nebenbach im Ilme-Gewässersystem.

Bäche sind die Lebensadern der Landschaft, sie verbinden die unterschiedlichsten Naturräume von der Waldquelle bis zur Nordsee miteinander. Und Fließgewässer stellen einen eigenen Kosmos für eine Vielzahl spezieller Pflanzen und Tiere dar. Einige davon lernten wir kennen. Nicht alle Bäche allerdings sind in einem naturnahen Zustand. Daher renaturieren die Landesforsten schon seit Jahren ihre Waldbäche, um sie in einen guten ökologischen Zustand zu entwickeln. Unter fachkundiger Führung des Waldökologen der Landesforsten Kai Konrad besichtigten wir eine Reihe solcher Maßnahmen. Zum Beispiel wurden Nadelbäume zugunsten von standortgerechten Laubbäumen zurückgenommen und Wegequerungen aufgegeben oder mit größeren Durchlässen ausgestattet.

Alte Gemüse im Garten anbauen und nutzen, Sommerfest

Mairübchen, Melde, Spargelerbse, Haferwurz, Erdbeerspinat, Spargelsalat, Linsen … . Diese Gemüse findet man kaum im Laden, dabei sind sie überaus köstlich und bereichern die Küche mit Farbe und Aroma. Deshalb ist auch ihr Anbau im eigenen Garten lohnend. Trotz einer Vielzahl importierter Gemüse hat das Spektrum der in der Küche verwendeten Pflanzen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen. Die Vielfalt auf dem Speisezettel und im Hausgarten ist gleichzeitig ein wichtiger Beitrag für die Erhaltung alter Sorten, die auch ein wertvolles Kulturgut darstellen.

Am 22. Juni 2012 lud die BUND Kreisgruppe Northeim zu einem Gartenrundgang ein, bei dem fast vergessene Gemüse und alte Sorten gezeigt wurden. Hier konnte man nicht nur sehen, wie Linsen als Pflanze aussehen, die man ja normalerweise nur als Samen kennt, auch Fragen wie die Eignung für den Hausgarten und der Anbau wurden besprochen. Schließlich ging es auch um die Verwendung in der Küche, denn wie bereitet man Spargelsalat zu?

Im Anschluss waren alle Interessierten zum Sommerfest der BUND Kreisgruppe Northeim mit Grill und Bowle eingeladen.

 

Wo kommt das Saatgut her?

Wenn in Frühjahr die Gartensaison startet, locken die bunten Tütchen in den Gartencentern die Garten- und Balkonkastenbesitzer. Die Kreisgruppe Northeim des BUND fragte bei ihrem Juli-Treffen, wie die Samen in die Tüte kommen. Wo wird das Saatgut erzeugt? Was ist Hybrid-Saatgut und hat es Vorteile für den Gartenbesitzer? Was zeichnet Bio-Saatgut aus? Weshalb bekommt man von lieb gewordenen alten Sorten plötzlich keine Samen mehr?

Wir besuchten am, 20. Juli 2012 einen demeter-Saatguterzeuger in Arenborn südlich von Uslar. Die Gärtnerei erzeugt Saatgut von alten einheimischen Gemüsearten und Sorten für den Dreschflegel e.V.  Wer kennt z.B. eine Kletterbohne mit solch einem klangvollen Namen und eindeutig regionalem Bezug wie die Lippoldsberger Weiße Perle! Auch widmet er sich der Neuzüchtung von besonders gut angepassten Sorten von z.B. Melonen und Rosenkohl. Auch so tolle Pflanzen wie Krapp, Diptam,Würzilie (Samen schmecken wie Muskat) oder Speiseplatterbse sahen wir. In seinem üppig blühenden Garten legte uns der Gärtner dar, wieso es sinnvoll ist, einheimisches, biologisch erzeugtes anstelle des Hybridsaatguts aus dem Baumarkt einzusetzen.

BUND lud zu einer Besichtigung bei der Ölmühle Solling ein

Auch am 21. September 2012 wurde ein biologisch arbeitender Betrieb der näheren Umgebung besucht.

Seit 1996 besteht die Ölmühle Solling am westlichen Rand des Sollings. Verarbeitet werden dort ausschließlich Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Landbau. Und nur in bester Qualität – denn nur aus erntefrischer und vollreifer Ölsaat lässt sich ein gutes Öl gewinnen.

Im Schaugarten konnten wir die Pflanzen ansehen, aus denen hier das Öl mit relativ kleinen Pressen gewonnen wird. Außerdem erfuhren wir viel über die Erzeuger der Ölsaaten und die Kooperationen und Projekte der Ölmühle Solling.

Im Anschluss an die Besichtigung bestand die Möglichkeit im Mühlenladen im umfangreichen Sortiment der Ölmühle zu stöbern.

BUND fuhr zum Mittelalterhaus Nienover

Ein Haus der im 14. Jahrhundert untergegangenen Stadt Nienover im Solling ist auf den Originalfundamenten wieder aufgebaut worden. Wahrscheinlich war es die Bäckerei, dementsprechend ist es mit Backofen und Laden eingerichtet und lässt erahnen, wie eine Handwerkerfamilie im Mittelalter gelebt hat. Die Führung am 19. Oktober 2012 umfasste die kurze, aber turbulente Geschichte der Stadt und die Lebensbedingungen der Einwohner.


Gentechnikfreies Apfelfest

Was haben Arpad Pusztai, bis 1998 Professor am berühmten Rowett -Institut in Schottland tätig und Gilles-Eric Seralini, Professor für Molukularbiologie an der Universität in Cean/ Frankreich gemeinsam? - Beide unternahmen in Ihren Forschungsarbeiten Langzeit- Fütterungsversuche an Ratten mit gentechnisch verändertem Futter. Pusztai 1998 mit Kartoffeln, Seralini 2012 mit gentechnisch veränderten Mais. In beiden Versuchen zeigten sich nach ca. 90 Tagen Organveränderungen, nachlassende Fruchtbarkeit und Zellveränderungen an den Tieren.
Ungeachtet dieser Tatsachen beginnt die Gentechnik-Industrie auch mit Manipulationen an unserem Hautnahrungsgetreide. Die IPK-Gatersleben stellte für Üplingen einen Antrag zur Freisetzung von gentechnisch-veränderten Weizen. Bisher waren die GV-Pflanzen nur zur Verfütterung an Tieren zugelassen. Mit Weizen beginnt eine neue Dimension gegen unsere Gesundheit! Es ist unser Hauptnahrungsmittel.
Stellvertetend für alle Nahrungspflanzen zeigte die Bürgerinitiative für ein Gentechnikfreies Südniedersachsen in Zusammenarbeit mit der BUND-Kreisgruppe mit einer Apfelaktion: es gibt genügend natürliche Züchtungen ohne Gentechnik, wunderbare Früchte aus Hausgärten, Streuobstwiesen und von Straßenbegleitbäumen. Das gilt ebenso für alle anderen Nahrungspflanzen. Um uns gesund und ausreichend zu ernähren, brauchen wir keinerlei Gentechnik.

Am 27. Oktober 2012 verteilten wir an unserem Infostand auf dem Einbecker Marktplatz aus dem Fundus der noch zahlreich vorhandenen Sorten herrliche Äpfel ohne Gentechnik, wie sie die Natur hervorbringt!
Gleichzeitig gab es die Möglichkeit, zu einer Apfelsortenbestimmung. Pomologe Markus Koch von der Baumschule Spiess GmbH aus Lippoldsberg/Weser war anwesend und beriet in allen Fragen rund um den Apfel.

Teller, Futtertrog oder Tank?

Diese aktuelle Frage wurde am 16. November 2012 diskutiert.

Der wachsende Energiebedarf und der hohe Fleischkonsum vorwiegend in den Industrieländern führt zu einem  Nutzungskonflikt um die weltweit auf den landwirtschaftlichen Flächen aufwachsende Biomasse (Pflanzen).

Die Erzeugung von Energie aus Biomasse verschlingt ebenso wie die Fütterung von Millionen Hühnern, Schweinen und Rindern große Mengen pflanzlicher Agrarerzeugnisse und beansprucht Millionen Hektar Ackerland, die nicht mehr zur Produktion von Lebensmitteln zur Verfügung stehen. Insbesondere der Import von Energie- und Eiweißpflanzen (Soja) führt in den Erzeugerländern zu steigenden Preisen für Lebensmittel, zu sozialen und ökologischen Problemen und der Rodung von Regenwäldern.

Helmut Koch (Dipl.Ing.agr./Päd.), Fachreferent für den Dienst auf dem Lande der Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck und BUND-Mitglied führte mit Fakten, Bildern und Beispielen ins Thema ein undbot Stoff zur Diskussion. Natürlich galt es auch Maßstäbe und Beispiele zum Handeln zu erarbeiten!

 



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