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Kreisgruppe Northeim

Offener Brief: Giftiger Sondermüll auf der Deponie Blankenhagen!

03. November 2019

Der BUND Northeim hat ermittelt, dass auf der Hausmülldeponie Blankenhagen anscheinend seit Jahren giftige Reststoffe aus dem Ersatzbrennstoffkraftwerk der SCA Papierfabrik in Witzenhausen deponiert werden. Diese Stoffe (versch. Aschen und Stäube) sind aufgrund ihrer Schadstoffbelastung Sondermüll und dürfen nach Abfallwirtschaftsgesetz auch nur auf Sondermülldeponien abgelagert werden. In den Unterlagen des Abfallzweckverbands Südniedersachsen (AS) finden sich jedoch Informationen, dass sie seit Jahren nach Blankenhagen geschafft werden.

Der BUND vermutet weiterhin, dass die Aschen zur Ablagerung mit dem Rotteprodukt aus der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung (MBA) Südniedersachsen (Deiderode) vermischt  werden. Verdünnung macht Dioxine, Furane und andere teilweise krebserregende Stoffe nicht ungiftig. Dieser gesamte Müll gehört auf eine Sondermülldeponie. Oder es muss ein anderes Verfahren gefunden werden.

Es ist empörend, dass der Abfallzweckverband in den Beschlussvorlagen, die seiner Verbandsversammlung am 14. November vorliegen werden, diese Nutzung unserer Hausmülldeponie auch noch als geschäftlichen Vorteil des Landkreises Northeim und als Ressourcenschutz ausgibt. Monetäre Vorteile aus der Deponierung von hochgiftigen Stoffen in unserer Landschaft?

Für die genannten Missstände könnte ein Deal mit der großen SCA Papierfabrik in Witzenhausen eine zentrale Rolle spielen. Sie setzt wahrscheinlich für den Nachhaltigkeitsnachweis ihrer Energieversorgung auf die Verbrennung der leicht brennbaren Fraktionen Kunststoff und Holz aus der MBA in Deiderode. Eine solche Win-Win-Situation – günstiger Ersatzbrennstoff für die energieaufwendige Papierherstellung und Einnahmen des AS für die Verklappung von Sondermüll ist in der Gesamtkonstellation eine fragwürdige und ökologisch nicht zu verantwortende Vorgehensweise.

Die Umstellung der Energiegewinnung von fossilen Energieträgern auf eine Verbrennung von recycelbaren Kunststoffen ist aus Umwelt- und Ressourcenschutzgründen abzulehnen. Es muss endlich erkannt werden, das auch aus Klimaschutzaspekten nur Energieeinsparungen und eine Produktionsreduktion zielführend sein können.

Alternatives, sauberes Verfahren in den Schubladen des AS verschwunden

Besonders befremdend ist für den BUND, dass ein alternatives Restmüllbehandlungsverfahren aus den Jahren 2011/2012 unter der alten Geschäftsführung zwar begonnen, dann aber durch die neue Geschäftsführung nicht mehr verfolgt wurde. Dieses Verfahren hätte die Deponierung nicht mehr vorgesehen. Stattdessen wären Kunststoffe in Deiderode abgetrennt worden und könnten größtenteils einem echten Recycling zugeführt werden. Die übrigen organischen Bestandteile hätten in einem Kohlekraftwerk CO²- und dioxinfrei mitverbrannt werden sollen. Hierzu lag die Genehmigung eines Kohlekraftwerkes vor.

Verschwendung von Gebühren und Steuergeldern!

Darüber hinaus erhöht die nun durch den AS geplante Umstellung auf Trockenvergärung die Investitionskosten auf das Drei- bis Vierfache dessen, was 2011/2012 für das nachhaltige Konzept budgetiert war, nämlich von 5 bis 7 Mio. auf 15 bis 20 Mio. Euro. Zusätzlich führt es zu deutlich höheren Betriebskosten.

Fachausschuss verweigert Empfehlung aufgrund neuer Sachlage!

Am 29.10.2019 beriet der Fachausschuss Umweltdienste Göttingen in einer öffentlichen Sitzung über einen Antrag des AS zur Umstellung der Vergärung der MBA Südniedersachsen. Aufgrund neuer Informationen verweigerte der Fachausschuss eine Empfehlung. Der BUND rät allen zukünftig tagenden Entscheidungsgremien auf Grund der desolaten und teilweise widersprüchlichen Situation, ebenso zu verfahren (04.11.- 16 Uhr Abfallwirtschaftsausschuss LK Northeim, 05.11. – 16 Uhr Fachausschuss Finanzen Stadt Göttingen, 14.11. AS-Verbandsversammlung)

Der BUND Northeim fordert darüber hinaus alle Verantwortlichen innerhalb des AS, die Politik im Landkreis Northeim und in Stadt und Landkreis Göttingen auf, der Fortführung dieser Praxis nicht mehr zuzustimmen und die Öffentlichkeit wahrheitsgemäß über den gesamten Planungsprozess und mögliche Alternativen zu informieren. Die Umstellung der MBA Südniedersachsen von einer Nass- auf eine Trockenvergärung ist abzulehnen. Der Vertrag über die Entsorgung der heizwertreichen Fraktion darf nicht verlängert werden. Beides belässt die erwähnten Missstände unverändert und verbaut sogar nachhaltig Lösungswege, wie sie in den Jahren 2011/2012 zwischenzeitlich avisiert worden waren.

Die Vorbereitungen zur Gründung einer Bürgerinitiative im Umfeld von Blankenhagen gegen die skandalösen Zustände laufen an.

Jürgen Beisiegel                                                                                              03.11.2019
Mitglied des BUND Kreisvorstandes Northeim

 

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