Landwirtschaft im Fokus

Offener Brief zu Bauernproteste gegen Pestizidverbot in LSG - Unterstützung der Landrätin vom 18.08.2022

Den offenen Brief finden Sie hier zum herunterladen.

Offener Brief zum Bericht über das Kompetenzzentrum für Tierwohl / HNA vom 3.6.21

Den offenen Brief zum Bericht über das Kompetenzzentrum für Tierwohl / HNA vom 03.06.2021

können Sie hier herunterladen.

Feldraine sind als Biotopvernetzung unverzichtbar!

Gerd Haberman, Naturschutzbeauftragter des Landkreise Northeim und BUND-Mitglied, hat sich in einem informativen und fundierten  Brief zum Thema Beseitigung von Feldrändern und gleichzeitiger Innanspruchnahme von Fördergeldern an die Landwirtschaftskammer in Hannover gewandt! Den vollständigen Brief können Sie hier herunterladen!

Biologische Vielfalt – Warum sind Wegraine wichtig?

Ein Beispiel für die illegale Nutzung eigentlicher Wegparzellen. Links- und rechtsaußen markieren die Markierungsstangen die Breite des Wegeflustückes. Gesehen in der Feldmark bei Einbeck!

Blütenbesuchende Insekten sind auf die Wegraine als Lebensraum angewiesen. Die bunten und abwechslungsreichen Randstreifen werden von typischen Pflanzenarten der Feldmark gebildet: Huflattich, Weidenröschen, Wegwarte, Rainfarn, Kamille, Königskerze, Nachtkerze, Brennnessel, Knöterich, Wegerich, Gänsefingerkraut etc. bilden eine bunte Nahrungspalette. Dieser Artenreichtum der Wegraine macht sie für Schmetterlinge, Florfliegen, Käfer, Heuschrecken, Bienen und Hummeln genauso interessant wie für Spinnen, Schnecken und Amphibien. Eine Fülle von Arten besiedelt die bunten Wegeränder und nutzt sie auf ihren Wanderungen als Ausbreitungskorridore. Seltene Arten wie Feldlerchen, Braunkelchen und das scheue Rebhuhn, die Wachtel oder der Feldhase finden in hohen – während der Brut- und Setzzeit ungemähten – Strukturen der Wegraine letzte Rückzugsgebiete.
Gerade nach dem vielfach dokumentierten rasanten Rückgang der Insektenpopulationen, sind überpflügte Wegerandstreifen seit mehreren Jahren ein intensiv diskutiertes Thema in vielen Regionen. Die Wege – zu denen neben der Fahrspur auch die Seitenstreifen an beiden Seiten gehören – befinden sich in den allermeisten Fällen im Besitz der Städte und Gemeinden. Sie sind somit ein öffentliches Gut. Als solches dienen sie der gesamten Bevölkerung nicht nur, um von „A nach B“ zu kommen, sondern auch beispielsweise für Erholungszwecke und den Naturschutz
Natürlich nutzen auch Landwirte diese Wege, um ihre Flächen zu erreichen und bewirtschaften zu können. Doch immer wieder kommt es vor, dass sie über die Grenzen ihrer Felder hinaus auch die Wegeseitenstreifen beackern und so nicht nur fremde Flächen „unter den Pflug nehmen“, sondern auch verhindern, dass dort wertvolle Biotope für Pflanzen und Tiere entstehen. In einem Spiegelartikel wird die illegale Nutzungsquote bereits 1989 auf rund 75.000 ha in Deutschland  hochgerechnet. Das muss nicht so bleiben: so hat die Samtgemeinde Sögel durch entsprechende Aktivitäten in den letzten Jahren 70 ha eigene Flächen wieder gewonnen.
Wir wollen uns als BUND Kreisgruppe demnächst diesem Thema annehmen und auf Kommunen und Landwirte im Landkreis Northeim zugehen.


Mehr zum Thema als Download:

Hintergrundpapier Bündnis 90/Die Grünen, KV Schaumburg, AG Wegraine

Broschüre: „Wegraine und Gewässerrandstreifen – Bedeutung und rechtliche Grundlagen“

Leitfaden – Wegerandstreifen – Börde Oste-Wörpe

 


 

Pressemitteilung der BUND-Kreisgruppe Northeim

Bezug: HNA Bericht „Landvolk: Pflanzenschutz ist notwendig“

„Pflanzenschutz ist nicht notwendig“

 

Da werden vom Landvolk doch recht seltsame Beweise für den Einsatz von Pestiziden hervorgezaubert: Auf einer Parzelle werden Rüben ausgesät und gespritzt, auf der anderen macht man nichts, das Beikraut sprießt und schon hat man die Rechtfertigung für den Einsatz der chemischen Keule. Das ist die Logik des Landvolkes. Vielleicht wäre es redlicher, einen konventionellen Acker mit einem biologisch bewirtschafteten Feld zu vergleichen, aber dann wäre die ganze Argumentation ja hinfällig! Es ist an der Zeit für eine Wende in der Agrarpolitik.

Heute vergiften wir die Umwelt mit Pestiziden, belasten unser Wasser mit Nitraten, vernichten die Biodiversität, füttern in Maststellen Soja aus Südamerika – wo zuvor der Regenwald weichen musste, die Lebensmittel werden auf Druck der großen Handelsketten immer billiger, es werden nahezu 40 % in der Mülltonne entsorgt, mit den Überschüssen werden die Preise in der Dritten Welt gedrückt  und kleine Farmer ruiniert! Während fast alle Akteure und die Umwelt unter diesem System leiden, füllen sich nur die Taschen der Investoren in Vor und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft.

Diese Entwicklung ist nicht den Landwirten anzulasten, sie werden ökonomisch gezwungen und sind willige? Opfer ihrer vermeintlichen Interessenvertreter in den Etagen der Saatgut-, Chemie-Düngemittel-, Landmaschinen-, und Lebensmittelindustrie sowie der von ihnen lobbyierten Politik. Das Problem ist nur, dass viele Bauern diese Zusammenhänge nicht erkennen wollen oder bewusst die Augen verschließen. Viele NGOs, aber auch die ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und kritische Volksvertreterinnen decken diese Missstände auf, nennen Ursachen und Fakten und sollten von den Landwirten nicht als Feinde, sondern als Verbündete gesehen werden.

Die Alternative heißt ökologische Landwirtschaft. Die sicherlich geringere Ernte durch den Verzicht von Pestiziden und chemischen Dünger kann ausgeglichen werden, wenn nicht mehr 40 % der Lebensmittel in der Tonne verschwinden und nicht mehr so viel wertvolles Getreide im Futtertrog landet. Ein hoher Fleischkonsum ist nicht ratsam. Der Zucker aus den Biorüben wird teurer, aber da der viele tägliche Zucker erwiesenen Maßen ungesund ist, wird hier gespart. Die Landwirte erhalten höhere Preise und die Umwelt wird entlastet. Die Verbraucher kaufen nur alle zwei Jahre ein neues Smartphon und geben nicht 12% ihres Einkommens, sondern vielleicht 17% für nachhaltig, regional und saisonal erzeugte Lebensmittel aus. Pestizide sind nicht mehr notwendig! In diese Richtung muss der Veränderungsprozess im Interesse fast aller Menschen gemeinsam vorangetrieben werden.

Kontakt: BUND Kreisgruppe Northeim    -   c/o Jürgen Beisiegel – Zur Höhe 19 – 37181 Hardegsen - / - Tel.: 05555-809922   juergen.beisiegel@nds.bund.net